Weisheitsgeschichten aus der rabbinischen Tradition

DAS UNBEGRENZTE BLATT

Was ist ein Blatt?
Ein Blatt ist Unbegrenztheit, die in einen unbegrenzten Zusammenhang komprimiert ist.
Es ist unbegrenzt, weil seine pure Existenz ein Akt des Schöpfers  ist –  des Schöpfers, der keine Grenzen kennt, der eine unbegrenzte Anzahl von Blättern in einer unbegrenzten Vielfalt aus dem Nichts heraus schöpfen kann.
Das Blatt ist unbegrenzt in seinem Aufbau, weil es eine Weisheit enthält, die durch den Menschen in unendlichen Lebenszyklen studiert und doch niemals ergründet werden wird.
Das Blatt ist unbegrenzt in seiner Form, weil nichts ihm anhaftet, das mit vollendeter Präzision gemessen und gespeichert werden kann.
Nichts über seine Zukunft kann mit Präzision vorausgesagt  werden.
Und das Blatt befindet sich in einem Zusammenhang, der unbegrenzt ist – das unbegrenzte Schicksal der gesamten Schöpfung, das da lautet:

Du, endlicher erkenntnishungriger Mensch:
Erkenne den Unerkennbaren, der jenseits aller menschlichen Erkenntnis regiert, der erkannt und verehrt werden möchte mittels eines einzigen unauffälligen Blattes.

A Daily Dose of Wisdom from the Rebbe - words and condensation by Tzvi Freeman subscriptions@chabad.org 

DER BESCHÄDIGTE DIAMANT

 Es war einmal ein angesehener und mächtiger König, der über viele Länder regierte. Sein kostbarster Schatz war ein Diamant – der makelloseste Diamant der Welt.
Eines Tages – während einer großen königlichen Feierstunde – brüstete sich der König mit dem Diamanten, indem er ihn, auf einem samtenen Polster pompös zur Schau gestellt, von einem Gast zum anderen reichen ließ. Plötzlich geschah das Unvorstellbare: Der Diamant fiel zu Boden und bekam einen sichtbaren Kratzer. In großer Sorge berief der König all seine königlichen Juweliere, um den Schaden schnellst-möglich zu beseitigen. Zu seinem immensen Bedauern teilten ihm ausnahmslos alle Juweliere mit, es gebe keine Möglichkeit,  den Kratzer zu beseitigen, ohne in die Oberfläche des Edelsteins zu schneiden und somit  den Wert des kostbaren Steins erheblich zu reduzieren.
Nach langen mühevollen Erkundungen gelangte ein fremder Kunsthandwerker an den Hof des Königs und offenbarte diesem freudvoll, er könne den Schaden am edlen Stein reparieren, ohne diesen im mindesten zu beeinträchtigen. Das Selbstvertrauen des Künstlers überzeugte den König so sehr, dass er ihm den kostbaren Stein augenblicklich anvertraute. Nach wenigen Tagen zurückgezogener Arbeit präsentierte der fröhliche Künstler dem König den Diamanten.

Der König traute seinen Augen nicht, als er sah, dass der Kratzer spurlos verschwunden war. An seiner Stelle war eine bildschöne Rose eingraviert.
Der Kratzer wurde zur Grundlage einer faszinierend schönen blühenden Rose.

Eine Parabel von Pesach and Chana Burston aus der chassidischen Erzähltradition   (subscriptions@chabad.org)